Der Auftrag

Frauenfußball-historisch

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Es ist Sonntagmorgen kurz vor Neun, draußen ist es kalt und es gießt es in Strömen. Eigentlich das richtige Wetter und die richtige Zeit, um sich im Bett noch einmal umzudrehen. Aber unser Jüngster muss raus, im Kinderwagen, damit er endlich schläft, mindestens eine Stunde. In der Woche ist das der Job seiner Mutter, am Wochenende ist der Vater dran. Ehrensache. Sorgfältig bereite ich die Expedition vor. Wichtig bei allen Fahrten ins Ungewisse ist die richtige Kleidung. Schweigend ziehe ich die klobigen Doc-Martens-Stiefel an, rüste mich mit der amerikanischen Arbeiterjacke und ziehe zum Schluss die wollene englische Schirmmütze auf den Kopf. Jetzt weiß ich, dass mir Wind und Wetter nichts anhaben können, egal was mich draußen erwischt. „Willst du dir nicht eine richtige Jacke anziehen, mit Kapuze, bei dem Regen?“, werde ich von unberufener Seite gefragt. Woher will  das Weib wissen, was man in der Wildnis braucht? Wie man in Würde der Witterung widersteht? In wenigen Minuten werden mein Sohn und ich auf dem Weg in den Rehberge-Park sein! Allein, auf uns gestellt. Ich werfe ihr einen stummen Blick grimmiger Entschlossenheit zu, schnappe meinen Sohn und gehe. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.

Draußen toben die Elemente. Der Wind peitscht mir den Regen ins Gesicht und schüttelt die letzten Blätter von den Ästen. Der Junge liegt wohl behütet unter seiner Plastikplane im Wagen und schläft sofort ein. Erster Teil des Auftrags erfüllt. Noch eine Stunde. Ich schlage den Kragen meiner Jacke hoch, stecke mir ein Fishermans zwischen die Zähne und schiebe westwärts, wo die Bäume warten. Durch einsame Straßen stemmen wir uns dem Sturm entgegen, bis wir endlich die große Ebene des Parks erreichen. Die Wege haben sich in Schlamm und Wasser aufgelöst, der Wind peitscht die kahlen Bäume und ich halte Ausschau. Ein Jogger kommt uns mit athletisch keuchendem Atem entgegen, der Körper ist von der Anstrengung erhitzt,  die Regentropfen auf der gespannten Neopren-Haut scheinen zu verdampfen.  Ein Bild von Anmut und Stärke. Dann wieder Stille. Ich wate weiter durch die Wasserlöcher, kein Umweg, immer geradeaus. Meine Stiefel halten dicht. Alles läuft nach Plan. Aus der Ferne höre ich Kampfgeschrei. Gebrüllte Befehle, Ächzen, Jubel einer Menschenmenge und Seufzer der Enttäuschung. Ein Fußballspiel, bei diesem Wetter? Ungläubig schaue ich durch die Regentropfen auf meiner Brille Tatsächlich! Wackre Männer! Kraft der Jugend. Begeistert trete ich näher. Ja, wir Männer. Nur wir können uns so im Zweikampf vergessen, so die Witterung ignorieren, uns so unbesiegbar fühlen. Während das Weib am warmen Herde wirkt, wagt der Mann den Wettkampf mit dem Wetter. Ich hier mit meinem Sohn und drüben die Jungs auf dem Platz. Wir lassen uns nicht unterkriegen von so ein bisschen Regen und Wind. Begeistert nehme ich die Brille ab, um genauer schauen zu können. Ich blinzele, schaue nochmal und erkenne mehrere Spieler mit wippenden Pferdeschwänzen. Nochmal geschaut, und ich weiß, dass es zwei  Frauenfußballmannschaften sind, die dort ein Match austragen.

Nachdenklich  gehe ich weiter. Meine Jacke  ist nun endgültig durchweicht und ich sollte bald  zu Hause sein, sonst hole ich mir wieder eine Erkältung.

 

 

Halt durch

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Halt durch, tapferer alter Wetterladen!

Schon bald werden Sonnenschein und Hitze nur noch eine Erinnerung sein.

Dann werden feine Niesel fallen und schwer die Morgennebel aus den Flüssen steigen.

Verschwunden sind dann die leicht Bekleideten von den Ufern der Seen.

Eingehüllt in deine Öljacken werden wir schweigend am Wasser stehen:

Missmutig wie immer, aber endlich wieder in unserem Element.

Here comes the rain again

Draußen vor der Tür macht sich der Frühling bemerkbar. Der Himmel ist himmelblau, die ersten Krokusse schießen aus der Erde und die Vögel kriegen sich gar nicht mehr ein vor Lebensfreude. Und ich sitze zu Hause – und träume vom Regen.

Heute Nacht bin ich aufgewacht , weil ich glaubte das sanfte Rauschen zu hören, mit dem sich ein satter Regenguss ankündigt. Ich ging erwartungsfroh zum Fenster und öffnete es. Doch draußen war es trocken und das Rauschen kam von den landenden Riesenvögeln am nahen Flughafen. Woher die Sehnsucht?

Vielleicht, weil in diesem Winter so wenig vom Himmel kam, kaum Schnee und auch kein richtiger Regen. Ein richtiger Regen ist laut, trommelt auf die Fensterbank und rauscht wie ein Wasserfall. Wenn ich einen solchen Guss zu Hause erleben darf, öffne ich die Fenster und genieße das an- und abschwellende Brausen. Ich kann mich dabei herrlich entspannen. Denn nichts kann ich tun, außer abzuwarten und mich dabei sicher und geborgen zu fühlen.

Wenn mich ein Wolkenbruch draußen erwischt, auf dem Fahrrad oder dem Motorrad, ist er für mich eine Herausforderung. Trotzig stemme ich mich gegen die Naturgewalt , genieße den Kampf und lasse mich nicht unterkriegen. Verächtlich schaue ich auf die Gore-Tex-Jünger am Straßenrand, die noch nicht mal ihrer Regenjacke vertrauen und sich ängstlich unter viel zu kurzen Vordächern verkriechen. Ich trage meine nassen Kleider wie eine Auszeichnung und lasse sie nach dem Gewitter vom Wind trocknen.

Jetzt kommt von irgendwo her ein Gruß aus dem Mutterland des Regens in meinen Kopf: „Here comes the rain again, falling on my head like a memory, falling on my head like a new emotion…“

A new emotion. Vielleicht ist es das, wonach ich mich sehne.