Edelfedern überm Wedding

Da sitze ich gestern Abend in der Invalidenstraße, Ecke Ackerstraße vor einer Bäckerei und genieße den Trubel von Mitte. Englisch sprechende Eltern schieben ihre mit lässiger Eleganz gekleideten Kinder in Richtung Prenzlauer Berg, Genießer holen sich kleine Köstlichkeiten aus den Delikatessenläden nebenan und Liebhaber französischer Automobile parken ihre gepflegten Preziosen gekonnt genau vor meiner Nase. Ich genieße den ersten warmen Abend, den Überfluss an Schönheit, Geschmack und allem was mir im Wedding fehlt. Was ich nicht weiß: Ich sitze am falschen Ende der Straße. Denn längst richtet sich die Aufmerksamkeit der Leitmedien auf das andere Ende der Ackerstraße – in die öde Gegend hinter der Mauer – dorthin wo der Wedding beginnt. Die „Zeit“ schickte einen ihrer begabtesten Schreiber in die heruntergekommene Neubausiedlung an der Ackerstraße. Und er erschuf über diesen vergessenen Teil des Weddings einen Bericht von epischer Größe. Ein Meilenstein der Architektur- und Sozialreportage, der mir Schauer der Ehrfurcht über den Rücken jagt. Wie kann es ich danach überhaupt noch wagen, meine Hände auf die Tastatur zu legen, um über das gleiche Sujet meine kleinen Geschichten zu schreiben? Zumal das andere Blogger – in Antwort auf den Zeit-Titanen – in kongenialer Größe und mit hervorragenden Bildern bereits getan haben? Was bleibt mir also zu tun? Staunen vielleicht, lernen und einfach mal schauen, was sich morgen wieder vor meiner Haustür abspielt.

Advertisements

5 Gedanken zu “Edelfedern überm Wedding

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s