Kafka on the road III

Wahrscheinlich komme ich noch nicht mal ohne Kratzer aus dem Parkhaus. Und dann die Stadt und erst die Autobahn! 19 Jahre habe ich meine Tochter mit Liebe beim groß werden begleitet, und jetzt setze ich leichtfertig ihr Leben aufs Spiel. Soll ich ihr nicht lieber eine Zugfahrkarte kaufen und ihre Wohnungseinrichtung mit einer Spedition hinterherschicken? Mit einem richtigen Lastwagen und Leuten, die richtig fahren können?

Der Motor brummt, dieses winzige Schalterchen, das heutzutage die Handbremse ist habe ich auch gefunden. Ich drehe zwei, drei Runden im Parkhaus, bis ich durch Versuch und Irrtum herausbekommen habe, wo hier der Ausgang ist. Dann bin ich im Freien. Es ist schon erstaunlich, dass sie heute die Autos so bauen, dass sie wirklich jeder fahren kann. Wenn ich nach links lenke, fährt es nach links und wenn ich das Lenkrad fest halte, fährt es geradeaus. Und auch die anderen Autos kommen mir nicht in die Quere. Wahrscheinlich hat man sie im Radio gewarnt, dass ich jetzt komme und für eine Stunde die Order ausgegeben, größtmöglichen Abstand von mir zu halten. Ich fummle so nebenbei das Radio an, aber es kommt nur gute Musik, sonst nichts. Wie ein Aal gleite ich durch den Verkehrsfluss und weiß doch, dass diese Fahrt nicht gut ausgehen kann. Denn spätestens wenn ich bei meiner Tochter vor dem Haus bin muss ich einparken. Einparken! Ich! In grauer Erinnerung sind mir die Schweißperlen auf der Stirn meines Fahrlehrers, als er mich wieder und wieder ermahnte beim rückwärts Einparken an der richtigen Stelle das Lenkrad einzuschlagen, um dann blitzschnell gegenzulenken, um genau in die Lücke zu zirkeln, die zwei Autos für uns am Bordsteinrand bildeten. „An der B-Säule einlenken, schneller, schneller..,“ Ich habs geschafft, damals, das Einparken und auch den Führerschein, obwohl ich bei der Prüfung vor Schreck bei einer grünen Ampel in die Bremsen gegangen bin. Der Prüfer auf dem Rücksitz hielt sich seinen Hut fest und war wahrscheinlich ein guter Christ. Denn er ließ auf Fürbitte meines Fahrlehrers Milde walten. Ich bekam den Lappen und bin seitdem die Geißel der Landstraßen. Oft schon habe ich daran gedacht, den Führerschein freiwillig zurück zu geben, um weiteren Schaden von unserem Volk abzuwenden. Mütter könnten ihre Kinder wieder ruhig auf die Straße schicken, alte Menschen voller Zuversicht über die Fahrbahn schlurfen und meine Anverwandten müssen nicht mehr ruhelose Nächte verbringen bei dem Gedanken am nächsten Tag bei mir ins Fond steigen zu müssen.

Jetzt bin ich vor dem Haus. Und vor dem Haus erwartet mich ein geöffnetes Tor, in das mich ein freundlicher Mensch einwinkt. Uff! Diesmal ist mir die Prüfung erspart geblieben. Mit einem eleganten Schwung setze ich rückwärts auf den Hof. Von außen sieht das ganz gekonnt aus. Aber in Wirklichkeit ist es natürlich nur unglaubliches Glück, dass das Auto mir nicht mit einem grausigen Rums sagt, dass ich da eine Mauer übersehen habe….

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